Als wir 2020 anfingen, das Hephatah-Haus zu planen, stand der Krieg in der Ukraine noch nicht bevor. Aber als die Bohrgeräte 2023 anrückten, hatte sich die Welt verändert. Und mit ihr die Fragen, die wir uns stellten: Wie viel Öl und Gas aus fremden Ländern brauchen wir wirklich? Und was hinterlassen wir denen, die hier nach uns wohnen werden?
Wir wollten etwas bauen, das auch in dreißig Jahren noch Substanz hat. Für unsere Kinder und für die, die nach uns kommen. Verantwortungsvoll, mit Augenmaß: alles, was gut ist, lassen – und das Schöne freilegen.
Was wir nicht gemacht haben
Im Gespräch war zuerst ein BHKW – ein kleines Gaskraftwerk im Keller, das gleichzeitig Strom und Wärme produziert. Eine elegante Lösung auf dem Papier. Aber als wir nachrechneten, hätte das Haus mit dieser Technik viermal so viel Gas verbraucht wie nötig. Das ging nicht. Wir wollten die Energie nutzen, die ohnehin schon da ist.
Drei Bohrungen, je 140 Meter tief
Im Garten verschwinden seit 2023 drei Erdwärmesonden. Tief genug, dass die Wärme dort unten das ganze Jahr über konstant ist – egal, was oben passiert. Die Löcher sollen hundert Jahre halten. Das war teurer als andere Lösungen, aber wir denken in längeren Zeiträumen.
Vom Garten ist nichts mehr zu sehen. Die Sonden sind unter der Erde, eine Vaillant-Wärmepumpe im Keller macht aus der Erdwärme nutzbare Heizenergie für fünf Wohnungen.
Sonne auf dem Hinterhaus
Das Hinterhaus wurde 1916 angebaut – mitten im Ersten Weltkrieg. Es hat ein Flachdach, und genau das war für uns ein Glücksfall. Vom Straßenraum aus sieht man die Solaranlage nicht. Der Denkmalschutz hat darauf bestanden, und wir auch.
Oben liegen Module von Q.Cells mit 8,61 kWp Gesamtleistung. Ein Solax-Wechselrichter macht aus dem Gleichstrom Wechselstrom, ein Akku mit 9 kWh speichert, was tagsüber übrig bleibt. Die Solarthermie auf demselben Dach unterstützt das Warmwasser.
Im Hof gibt es eine Wallbox – für unser eigenes Auto, aber auch für Bewohner und Gäste offen. Wer hier zu Besuch ist und ein Elektroauto fährt, kann es laden, solange Strom da ist.
Eine Heizung, die mitdenken muss
Die Wärmepumpe ist der Motor. Aber das Gehirn ist die Steuerung. Welche Wohnung braucht gerade wie viel Wärme? Liefert die Solaranlage gerade Strom – oder zieht das Auto an der Wallbox? Macht es Sinn, jetzt vorzuheizen, oder lieber den Akku zu füllen?
Statt eines geschlossenen Systems eines Herstellers haben wir auf Open Source gesetzt. Die Steuerung läuft über Home Assistant, eine quelloffene Plattform. Sensoren, Verbraucher und Erzeuger sind dort angebunden – und können angepasst, ersetzt oder erweitert werden. Wir wollten nichts, was uns an einen Anbieter bindet und in zehn Jahren nicht mehr unterstützt wird.
Aus diesem Wunsch ist nebenbei ein eigenes Projekt entstanden: volt-wise.de. Beruflich kommen wir aus der Agentur- und IT-Welt, und so haben wir die Software, die hier im Haus läuft, in eine eigene Form gebracht.
Das Haus als andere Hälfte der Rechnung
Energie erzeugen ist die eine Sache. Was das Haus mit der Wärme macht, die andere. Ein altes Haus, das nicht gedämmt ist, verliert die Energie schneller, als die Wärmepumpe sie nachliefern kann.
Das Dach wurde gedämmt – mit Holzwolle und Steinwolle. Der Dachstuhl selbst wurde mit regionalem Holz ertüchtigt. Unser Zimmermann meinte dazu trocken: „Das steht aus Gewohnheit.“ Ein Satz, der gut passt zu einem Haus von 1764.
Etwa 60 Prozent der Fenster sind neu, weil sie nicht zu retten waren. Die anderen 40 Prozent sind die originalen Fenster, aufgearbeitet, mit ihren alten Beschlägen, Kastenschlössern und Fensterreibern. Die Lehmdecken haben wir herausgenommen, wo sie nicht mehr tragfähig waren – aber neu eingebaut haben wir keinen Lehm.
Geheizt wird zu rund drei Vierteln über Fußbodenheizung. In manchen Räumen sehr klassisch verlegt, im Erdgeschoss aber mit einer Frästechnik: Wir wollten den Bestandsboden von 1995 nicht aufbrechen, also wurden die Rohre direkt in den vorhandenen Estrich eingelassen.
Wo die alten Dielen erhalten bleiben sollten, geht das nicht. Dort haben wir Wandheizung – etwa ein Viertel der Heizflächen. Auch hier in verschiedenen Formen: Fertigmodule in den Wänden, an anderer Stelle eingelassen in den Putz. Das Holz unter den Füßen bleibt, die Wärme kommt von der Wand.
Die ehrliche Zahl
Über das Jahr gerechnet sind wir zu rund 35 Prozent autark. Im Sommer läuft viel über die Sonne, manchmal sehr viel. Im Winter, wenn die Wärmepumpe die Hauptarbeit macht und die Sonne kaum scheint, müssen wir Strom kaufen.
Wir nennen das nicht autark. Autark ist ein Marketingwort. 35 Prozent sind aber viel für ein Haus, das 261 Jahre alt ist – und im Welterbe steht.
Beim Glasfaserausbau in Herrnhut wird in den nächsten Monaten unser Gasanschluss zurückgebaut. Das Haus verabschiedet sich endgültig vom fossilen Brennstoff. Auch das war ein Ziel.
Wer reinschauen möchte
Beim Herrnhuter Weihnachtsmarkt öffnen wir den Hof und den Garten. Kuchen gibt es am Fenster, im Hof brennt ein Feuer, dazu ein kleiner Flohmarkt. Wer Fragen zur Technik hat – zur Wärmepumpe, zum Akku, zur Software – kann sich gerne dazustellen. Wir reden gerne darüber.
Am Tag des offenen Denkmals, dem 13. September 2026, sind wir ebenfalls dabei. Wer einmal in einem Haus von 1764 stehen will, das zu 35 Prozent von Sonne und Erde lebt, ist eingeladen.